Heizung per Smartphone steuern

Dresdner Firma 123SmartEnergy hilft Hotels mit Software 35 Prozent der Heizkosten zu sparen

Dresden (DNN). Hotelgäste interessieren sich in der Regel herzlich wenig für die Energiekosten ihres Urlaubsdomizils. Während sich manch einer zu Hause lieber einen Pullover anzieht, als den Heizkörper eine Stufe höher zu drehen, kennt die Verschwendung unterwegs oft keine Grenzen. Steht das Zimmer anschließend längere Zeit leer und niemand stellt die Heizung ab, wird es teuer. Auch die Dresdner Startup-Firma 123 SmartEnergy hat dieses Problem erkannt. Sie möchte den Missstand nutzen, um damit Geld zu verdienen.

„Mit unserer neuen Software können wir weltweit die Heizkörper von Gebäuden überwachen“, sagt Produktmanager Norman Zilian. Ein Jahr sei die Technik in einem Dresdner Hotel getestet worden, jetzt ist sie serienreif, betont der 26-Jährige. Die Einsparungen sollen nach Angaben des Unternehmens bei Heizenergie und Kohlendioxid bis zu 35 Prozent im Jahr betragen, während die Investitionskosten lediglich mit drei bis fünf Euro pro Quadratmeter zu Buche schlagen. Die Firma verweist darauf, dass dies günstiger sei als beispielsweise eine Dämmung der Außenwände oder eine Erneuerung der Heizung.

In der Praxis funktioniert die Technik folgendermaßen: Alle Heizkörper erhalten Thermostate, die sich ganz einfach anschrauben lassen. Außerdem werden die Fenster mit Sensoren ausgerüstet. Wird nun ein Fenster zum Lüften geöffnet, schickt der Sensor ein Signal an das Thermostat und die Heizung schaltet sich aus. Umgekehrt funktioniert es beim Schließen des Fensters genauso.

Gesteuert werden alle Vorgänge von der zentralen Steuerungseinheit, dem Cube. Er schickt die Informationen an Smartphone, Tablet oder auf den PC, von wo aus alles kontrolliert und gesteuert werden kann. Eine einzige Steuerungseinheit stößt jedoch bei 20 Geräten an ihre Grenzen.

„Weil in einem Hotelzimmer bereits vier Messgeräte zum Einsatz kommen, wäre bei fünf Zimmern schon die Grenze erreicht“, so Zilian. An diesem Punkt kommt jedoch die Software des im September dieses Jahres gegründeten Unternehmens ins Spiel. Das Programm, das gemeinsam mit der Dresdner Firma ITC entwickelt wurde, ist in der Lage, eine Vielzahl an Steuerungseinheiten miteinander zu koppeln. Erst dadurch können große Gebäude ausgerüstet werden.

„Es war sozusagen eine gemeinsame Sprache nötig, die dafür sorgt, dass sich die Geräte untereinander austauschen können“, sagt der Diplomingenieur. Ein Dresdner Hotelier habe ihm gesagt, dass er sich über die Software sehr freue, weil er nun seine Mitarbeiter, selbst wenn er im Urlaub ist, darauf hinweisen könne, wenn irgendwo ein Fenster offen steht.

„Vor allem wenn saisonal Etagen stillgelegt werden, braucht in den Hotels niemand mehr losgeschickt werden, um die Thermostate runterzudrehen“, so Zilian.

Vorteilhaft ist bei der Technik ebenfalls, dass die Batterien der Messgeräte sehr lange halten. So müssen sie bei den Thermostaten gerade einmal alle zwei bis drei Jahre und bei den Fensterkontakten alle fünf Jahre gewechselt werden. Bleibt nur noch die Sorge, dass man von unterwegs durch einen unbedachten Tastendruck auf das Handydisplay ebenfalls die Einstellungen der Heizkörper verändert.

„Grundsätzlich ist das kein Problem, weil es Zeitschaltpläne gibt, die zusätzlich zu den Sensoren die Temperaturen in den Zimmern zu verschiedenen Tageszeiten regeln.“ Keine Schwierigkeiten gibt es zudem, wenn das Internet einmal ausfallen sollte. „In diesem Fall wird zunächst die zuletzt bekannte Einstellung beibehalten, bevor als weitere Absicherung die Zeitschaltpläne greifen.

Neben Hotels ist die Software von 123SmartEnergy auch für Bürokomplexe, Wohnheime oder Krankenhäuser geeignet. Überall dort, wo die Überwachung aufgrund der Größe der Häuser in Arbeit ausartet, kann die Software helfen. Auf Heizungen ist die Software übrigens nicht begrenzt. Theoretisch können auch Wasserboiler und Fernsehgeräte damit kontrolliert werden. Stephan Hönigschmid

 

Diese Presseartikel wurde von den Dresdner Neusten Nachrichten herausgegeben. Originalartikel anschauen.

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